Physik im Lehrbuch 1700–1850: Zur Geschichte der Physik und by Gunter Lind
By Gunter Lind
Im 18. Jahrhundert haben sich die die Grunds{tze des modernen Physikunterrichts in Deutschland herausgebildet. Es hat sich der Wandel von der aristotelischen Physik und der Physiktheologie der Scholastik zur experimentell und mathematisch betriebenen mechanistischen Physik Galileis und Newtons in der Naturbetrachtung vollzogen. In dieser fundamentalen Arbeit zur Didaktikgeschichte des Physikunterrichts wird diese Entwicklung beschrieben, teils in zusammenfassenden ]bersichten, teils in detaillierten Teilstudien. Das Studium von Physiklehrb}chern liefert eine lebendige representation des tiefgreifenden und f}r unsere Zivilisation so wichtigen Paradigmenwechsels, so da~ dieses Buch bei Physikdidaktikern, bei den Historikern der exakten Naturwissenschaften und bei den Physikstudenten auf gro~es Interesse sto~en wird.
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Gegen a priori gewonnene Grundsatze ist er skeptisch. Er meint, er wolle einen Lehrsatz lieber "aus einer einfachen Erfahrung herleiten, als Satze, die fUr Grundsatze nicht offenbahr genug scheinen, ... " Karsten (17903 ) schlieBlich formuliert klipp und klar: ~rfahrungen werden den Grundsatzen gleich geachtet" und meint damit tatsachlich jede gesicherte experimentelle Erfahrung, nicht nur die einfachen und evidenten. Die angewandte Mathematik, die von den Cartesianem als (weitmoglichst) apriorische Wissenschaft konzipiert worden war, ist damit zu einer Erfahrungswissenschaft geworden.
Rlichen und kunstlichen Dingen langst anachronistisch war. So betont etwa Busch (1795 2 ), daB die Gegenstandsbereiche beider Facher sich betrachtlich uberschnitten, und fahrt dann fort: ~eide Wissenschaften, die Mathematik und Physik, nehmen sich daher dieser Kenntnisse mit gleichem Rechte an; doch kann in beiden der Vortrag derselben auf verschiedene Zwekke hinaus geleitet werden. In dem mathematischen Vortrage sieht man mehr auf die praktische Anwendung derselben zu den Bedurfnissen und Geschaften des burgerlichen Lebens hinaus.
Die Voraussetzungen fUr die Popularitiit des Faches waren nie wieder so giinstig; es gab geniigend wissenschaftliche Neuigkeiten von durchaus spektakuliirem Charakter, und diese priisentierten sich in allgemein verstiindlichem, ja sogar unterhaltsamem Gewand. Die Frage des Weltbildes war immer noch aktuell. Zwar war der Heliozentrismus relativ unumstritten, aber ob der Weltbau eher nach cartesischer oder newtonischer Manier zu erkliiren sei, war ein sehr kontroverses Thema. Von noch groBerer Faszination waren einige Fragen, die sich nach der heliozentrischen Wende in ganz neuer Weise stellten: die Frage nach der N atur der Kometen, die nun nicht mehr als meteorologisches Phmomen aufgefaBt werden konnten, und die Frage nach der Ahnlichkeit der iibrigen Planeten mit der Erde, nach ihrer Bewohnbarkeit.



