Naturschutz: Ein kritischer Ansatz by Klaus-Dieter Hupke
By Klaus-Dieter Hupke
In Naturschutzgebieten geschieht vieles, das auf den ersten Blick widersprüchlich ist. So werden beim Pflegeeinsatz Blumenwiesen abgemäht, wo doch alle dort wachsenden Pflanzen unter Naturschutz stehen. An anderer Stelle werden im Flachmoor geschützte Schilfbestände abgebrannt oder in einem Dünenschutzgebiet die oberste Bodenschicht mit Planierraupen abgetragen. Wiederum andere Flächen sollen völlig unberührt von menschlichen Eingriffen bleiben. Der Autor Klaus-Dieter Hupke zeigt die verschiedenen Strategien von Naturschutz auf. Er zeigt auch, dass Naturschutz zumeist gerade das nicht ist, used to be der Begriff im Kern aussagt: „Schutz der Natur“. In Mitteleuropa handelt es sich bei Naturschutzgebieten im Gegenteil überwiegend um die Relikte regulate Agrar- und damit Kulturlandschaften. Oftmals stehen auch ästhetische Aspekte eines Landschaftsausschnitts bei der Ausweisung als Naturdenkmal oder Naturschutzgebiet im Vordergrund. Darüber hinaus läuft der Naturschutz Gefahr, zur Ersatzhandlung und zum Alibi für eine in Mitteleuropa wie international immer noch wachsende Zerstörung traditioneller und naturnaher Landschaftssysteme zu werden.
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4 Naturschutz – auf welchen Flächen? Es ist ja ganz nett, wenn einige kleine Einzelheiten geschützt werden, Bedeutung für die Allgemeinheit hat diese Naturdenkmälerchensarbeit aber nicht. Pritzelkram ist der Naturschutz, so wie wir ihn haben. Naturverhunzung dagegen kann man eine geniale Großzügigkeit nicht absprechen. 279). Was Hermann Löns hier vor mehr als 100 Jahren kritisiert, ist die Kleinflächigkeit der vom „Naturdenkmalschutz“ geschützten Flächen gemessen an der Flächenausdehnung der übrigen Agrar- und Forstlandschaften.
Dies gelingt über die Registrierung von Lebensräumen, Ökosystemen oder Biotopen, in denen durch Abstraktion zumindest teilidentische Flächen mit einem zu erwartenden ähnlichen Inventar an Tier- und Pflanzenarten ausgegliedert werden können. Gelingt es, diese zu erhalten, kann auch ein Großteil der Tierund Pflanzenarten erhalten werden. Eine dritte Variante von biologischer Vielfalt, heute meist Biodiversität genannt, wird aber neben Biotopen und Arten heute zunehmend auf der genetischen Vielfalt unterhalb der Art (wissenschaftlich Spezies) festgemacht.
Zum anderen ist es allerdings gerade die Nährstoffarmut, der „Mangel“, der betreffenden Lebensräume und Ökosysteme, der die schützenswerte Vielfalt primär der Flora, damit einhergehend aber auch der Fauna, hervorbringt. Dieser heute häufig plakativ gebrauchte Wert der Vielfalt stellt vielleicht die originärste und von außen her am leichtesten nachvollziehbare Zielsetzung des Naturschutzes dar. Hier 20 Naturschutz wird dieser zumindest seinem begrifflich-semantischen Kern am ehesten gerecht. Schon die Listen der geschützten Arten machen aber deutlich, dass entgegen der Ökologie im Naturschutz nicht alle Arten den gleichen Wert besitzen (vgl.



