Die Stadt in der Sozialen Arbeit: Ein Handbuch für soziale by Detlef Baum Prof. Dr. Dr. h. c. (auth.), Detlef Baum (eds.)
By Detlef Baum Prof. Dr. Dr. h. c. (auth.), Detlef Baum (eds.)
Den Raum, seine städtebauliche Gestaltung und seine soziale Struktur als Bedingung für soziales Verhalten und für soziale Probleme zu erkennen, ist für die beiden Handlungsfelder Stadtplanung und Soziale Arbeit von grundsätzlicher Bedeutung. In einem interdisziplinären Kontext fasst dieses Handbuch Probleme der heutigen Stadtentwicklung zusammen. Es geht vor allem um die Frage, welchen Beitrag Stadtplanung und angewandte Sozialwissenschaften gemeinsam zur Lösung der brisanter werdenden sozialen Probleme der modernen Stadt leisten können. Vor diesem Hintergrund will das Buch soziale und stadtplanende Professionen zusammenbringen und ein gemeinsames, interdisziplinäres Konzept für beide Disziplinen entwickeln.
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Wenn man nun anschließend die neu aufflammende Polemik über die rein ökologischen Merkmale der neuen Wohngebiete am Stadtrand betrachtet, gelangt man zu ähnlichen Ergebnissen. So unterscheidet beispielsweise die von Walter T. Martin verfaßte Studie über die Ökologie der „suburbs“ in den USA zwischen den ursprünglichen und abgeleiteten Merkmalen der Wohngebiete (51). Nun stellen aber alle zur ersten Gruppe gehörenden Merkmale ökologische Gemeinplätze dar: Standort außerhalb des Stadtkerns, Bedeutung der Pendler, kleinere Stadtgrößen und weniger Verdichtung; die abgeleiteten Faktoren ent- Die sozialen Milieus der Städte 35 stehen ihrerseits viel eher durch die selektive Bevölkerungswanderung (Vorwiegend junge Haushalte mit Kindern, „Mittelschicht“-Niveau, eine gewisse soziale Homogenität), der Grundlage für diese Zonenbildung.
Wie könnte man diese Frage stellen, wo es doch keine wirkliche Differenzierung des bewohnten Raumes gibt? Die Tradition der städtischen Ökologie versuchte, Bedingungen für die Existenz „natürlicher Zonen“ innerhalb der Stadt zu definieren, die sich nach der klassischen Definition von Paul Hatt aus zwei Elementen zusammensetzen: 1. einer räumlichen Einheit, innerhalb natürlicher Grenzen mit homogener Bevölkerung, die mit einem spezifischen Wertesystem versehen ist; 2. einer räumlichen Einheit, bewohnt von einer Bevölkerung, die von symbolischen inneren Relationen strukturiert wird (44).
In ihrer Schlußfolgerung zur berühmten Problematik der neuen amerikanischen „suburbanen Kultur“ sind Gist und Fava der Auffassung, daß diese tatsächlich existiert und daß sie auf eine tiefgreifende Reorganisierung des Wertesystems der amerikanischen Gesell- 40 Manuel Castells schaft schließen läßt, die sich von einer individualistischen, protestantischen und puritanischen Ethik zu einer stark hedonistischen, „sozialen“, auf der Soziabilität beruhenden Ethik hin entwickelt. Die Vororte, die von dieser neuen Mittelschicht bewohnt werden und Träger der Werte der „Konsumgesellschaft“ sind, wären demnach der Ort, der einem solchen Lebensstil am meisten entspricht (77).



